Studenten brauchen bekanntlich immer Geld. Also habe ich mich von zwei Studienkollegen (Agnes und Richard) überreden lassen, gemeinsam mit ihnen beim Marathon am 19.4. als Ordner teilzunehmen.
Am 8.4. war auf der Uni eine Vorbesprechung, die ich mir, gründlich wie ich bin, natürlich gegeben habe. Es wurde uns mitgeteilt, was auf uns zukommen würde und jeder bekam einen Zettel mit Verhaltensmaßregeln für Ordner. Weil aber bei weitem nicht alle da waren, wurde das dann gestern in der Früh alles noch einmal wiederholt.
Nachdem ich mich also am Sonntag um 6:00 Uhr aus dem Bett gequält hatte (diese Überwindung sollte eigentlich mehr als € 7,--/Stunde wert sein), um auch ja pünktlich um 7:00 Uhr auf der Landstraße beim Treffpunkt sein zu können, musste ich mir erstmal nach einer halbstündigen Wartezeit, während der mir langsam aber sicher die Füße einfroren, noch einmal anhören, was ich sowieso schon des langen und breiten bei der Vorbesprechung gehört hatte.
Schließlich wurden nachdem alle 44 für den Abschnitt meiner Betreuerin notwendigen Ordner eingeteilt waren, die "Security-Schürzen" (der eine oder andere Ordner verwandelte sich durch diese, da sie als oberstes Kleidungsstück auch über einem eventuell vorhandenen Rucksack getragen werden müssen in etwas, dass massiv an eine Schildkröte oder aber den Glöckner von Notre Dame erinnerte), die Standortpläne und Absperrbänder ausgeteilt und nach einer kurzen Besprechung mit Richard und Agnes machten wir uns auf den Weg zum Naschmarkt um unsere Plätze an der Linken Wienzeile zu finden.
Um 8:15 Uhr waren wir also vor Ort und machten uns mit unseren Standorten vertraut. Eigentlich verspürte ich eine extreme Lust nach einem riesigen Häferl Kaffee, um meine Müdigkeit zu vertreiben, aber weil unsere Betreuerin da war um zu kontrollieren, ob wir unsere Pläne richtig gelesen hatten, wurde dieses Vorhaben dann ad acta gelegt. Ich wurde angewiesen noch ein zweites Absperrband zu holen, weil ich an zwei Stellen absperren musste. Als ich dann um 9:00 Uhr meine beiden Absperrbänder anbringen wollte, stellte sich heraus, dass das zweite Band zu kurz war. Weil aber unsere anderen Bänder viel zu lang waren und die leicht zu teilen gingen, hat mir der Richard ein Stück von seinem Band gegeben, dass ich mit meinem anderen Stück verknotete, um die korrekte Länge zu erreichen.
Als alles korrekt abgesperrt war, begann das Warten und Aufpassen. Um nicht in Gefahr zu geraten einzuschlafen ging ich an meinem Absperrband auf und ab, was den einen oder anderen Zuschauer scheinbar sehr irritierte.
Nach etwa 37 Minuten kam nach einigen Autos (Polizei, Follow-Me-Smart, Streckenchef, etc.), Motorrädern und Radfahrern die Führungsgruppe in Sicht. Die Läufer waren aber so schnell wieder weg, dass ich sie gar nicht richtig beobachten konnte. Nach einigen vereinzelten Läufern kam dann nach 39 Minuten oder so der Österreicher Weidlinger vorbei und 5 Minuten später auch die führende Frau, die Österreicherin Mayr. Nach einem erneuten größeren Loch, in dem nur vereinzelt Läufer an meinem Standpunkt vorbeikamen, kam schließlich das "Mittelfeld", dass dann auch etwa eine dreiviertel Stunde nicht mehr abriss.
Ich habe zwei Radfahrer von der Strecke gewiesen, da sie keine offizielle Deklaration vorzuweisen hatten und konnte auch einige Zuschauer davon abhalten, die Strecke zu überqueren. Einige Autofahrer, die meinten, sie müssten jetzt unbedingt sofort und sogleich auf die Linke Wienzeile, habe ich darauf hingewiesen, dass noch gesperrt sei, was die eine oder andere giftige Meldung und allgemeinen Unmut hervorrief. Man könnte meinen, dass der Vienna City Marathon jedes Jahr völlig überraschend vom Himmel fällt und die Leute sich einfach nicht darauf vorbereiten können, bzw. dass es in Wien keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt. Warum Menschen unbedingt sofort genau dorthin müssen, wo gesperrt ist, wird mir wohl auf ewig ein Rätsel bleiben.
Nach 1 Stunde und 52 Minuten kam dann der Schlusswagen an meiner Position vorbei. Nachdem durch ein Polizeiauto mit einer Schlange Autos im Schlepptau ein paar Minuten später die Linke Wienzeile wieder für den Verkehr freigegeben war, versuchte ich meine Betreuerin zu erreichen, da ich dachte, es wäre sinnvoll, dann auch die Sperre an den Ausfahrten des Naschmarktes aufzumachen, bekam aber von der Assistentin die Anweisung meine Position noch zu halten.
Da natürlich auch einige Autofahrer der Meinung waren, es sei sinnlos, die Naschmarktausfahrten noch zu blockieren erntete ich den einen oder anderen bösen Blick bzw. auch einige nicht so nette Kommentare meinen Geisteszustand betreffend. Aber ich blieb eisern stehen und bewachte tapfer und unter Einsatz meines Lebens mein Band. 
Als dann die Agnes, deren Standpunkt ein paar Meter weiter die Linke Wienzeile stadtauswärts gelegen hatte bei mir ankam und erklärte, sie hätte die Anweisung erhalten ihre Position zu räumen, verstand ich die Welt nicht mehr. Schließlich durfte auch ich meine Stellung aufgeben, was ich auch schnellstmöglich tat, da ein Mann schon sehr ungehalten war und ich nichts riskieren wollte.
Agnes, Richard, zwei weitere Ordner, die auch in unserer Nähe gestanden hatten und ich machten uns dann gemeinsam auf zur Stiftgasse, wo unsere Betreuerin auf die Schürzen wartete. Wenn die Schürzen nämlich nicht zurückgegeben werden, bekommt man auch kein Geld. Geld gab es dann aber eh noch keines, weil noch Läufer auf der Mariahilfer Straße unterwegs waren und unsere Betreuerin nicht wirklich viel Zeit für uns hatte. Ich muss jetzt also nur noch rausfinden wann und wo ich zu meinem Geld komme ...
Aber ich finde am Vienna City Marathon 2009 als Ordner teilzunehmen war eine interessante Erfahrung und wenn ich die Möglichkeit dazu habe, werde ich wahrscheinlich nächstes Jahr wieder dabeisein.
Katsumi