Wer kennt es nicht? Man steht irgendwo harmlos in einer Schlange, um ein Produkt käuflich zu erwerben und schon sind sie da: Leute, die sich einfach vordrängen, oder es sonstwie schaffen früher bedient zu werden, als die, die bereits vor ihnen da waren. Manchmal möchte ich sie einfach nur in der Luft zerfetzen.
Um mein Problem zu verdeutlichen ein Beispiel: Samstag nachmittag, Zara am Graben. Beide Kassen sind gerade beschäftigt und hinter den gerade Bedienten steht, sozusagen in der Mitte, bereits eine Frau an, um zur nächsten freien Kassa vorzurücken. Ich stelle mich also in eine bereits existierende Schlange, auch wenn sie noch kurz ist. Soweit, so klar. Von rechts kommen aber jetzt zwei Grazien, mit Vakuum unterm Pony und machen einfach eine neue Schlange auf.
Andererseits gibt es natürlich auch Menschen, die einfach zu wichtig sind, um sich wie jeder normale Mensch anzustellen. Auch hierzu ein Beispiel: Tiffany, Donnerstag vor Weihnachten. Im Erdgeschoss stapeln sich die Touristen, also fahren wir in den 1. Stock. Oben müssen feststellen, dass auch hier alle Verkäuferinnen beschäftigt sind. Also stellen wir uns mit gebührendem Abstand hinter einem Pärchen an, dass vermutlich gerade ein Vermögen ausgibt und stehen uns etwa 15 Minuten die Füße in den Bauch. Plötzlich stürzt ein Mann aus dem Aufzug und stellt sich neben dem Pärchen sozusagen in der Pole Position an. Als
die Verkäuferin dann endlich mit den beiden fertig ist, nimmt sie natürlich umstandslos den Drängler dran und wir müssen weitere 15 Minuten (inklusive Geld-Wechsel-Probleme à la "Ich kann Ihnen einen 500-Euro-Schein nicht wechseln." WTF? Bei Tiffany?) warten.
Die dritte Kategorie sind Leute, die einfach in eine bereits bestehende Schlange hineinwachsen und sich so vordrängen, wie wir das kürzlich erst wieder erleben durften: Happy Noodles, Schwedenplatz. Der mitternächtliche Hunger will bekämpft werden, also beschließen wir, uns dampfende asiatische Nudeln einzuverleiben. Vor uns wird gerade ein Mann bedient, wir stellen uns also an. Während der Mann noch die Bestellung fertig macht, kommen von der Seite zwei Gestalten und stellen sich neben ihn, um die Bilder der Speisekarte aus ca. 30 cm Entfernung studieren zu können. Der Mann vor uns ist fertig, aber die zwei Gestalten denken gar nicht daran, sich zu gedulden, bis wir unsere Bestellung aufgegeben haben, sondern bestellen einfach vor uns.
Wir lernen also, dass sich der durchschnittliche Österreicher scheinbar nicht anstellen kann. Ich frage mich schon, wo solche Leute aufwachsen, dass so grundlegende Erfahrungen wie das Erkennen, an welchem Ende der Schlange man sich anstellen muss, an ihnen vorbeigehen. Sicher, man sagt, dass Frechheit siegt, was ja meistens auch stimmt, aber ich würde Drängler oft am liebsten einfach terminieren, um anderen Menschen ähnliche Erfahrungen zu ersparen.
Vielleicht sollte man bei uns das dänische System einführen, wo man in Kopenhagen sogar in einer Bäckerei Nummern zieht, um Unsicherheiten über die Reihenfolge zu vermeiden. Mittlerweile würde ich diese Lösung eindeutig befürworten.
Katsumi